Aktion Musik

Klang und Leben zu Gast im Lambertinum

Eine musikalische Zeitreise für Menschen mit Demenz:

An einem typischen trüben Januarnachmittag haben sich im Restaurant der Seniorenwohnanlage Lambertinum einige Bewohnerinnen und Bewohner wie üblich zum Kaffeeklatsch versammelt. Aber heute ist etwas anders als sonst. Heute hat das Lambertinum Besuch von vier Musikern des sozialen Musikprojekts Klang und Leben. Seit mehr als fünf Jahren tourt das Team mit einem Schlagerprogramm speziell für Menschen mit Demenz durch Senioreneinrichtungen in ganz Norddeutschland.

Und während gleich im ersten Lied bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt, geht im Lambertinum die Sonne auf. Leben kommt in die gerade noch teilnahmslosen Gesichter des Publikums. Einige singen sofort mit, andere bewegen flüsternd die Lippen.

Die altbekannten Schlager sind der Schlüssel zum emotionalen Gedächtnis. Mit der Musik eng verknüpfte, positive Erinnerungen werden wach. Die Menschen erhalten einen Teil ihrer Identität zurück, und zumindest für den Moment durchbricht die musikalische Zeitreise die Mauer, von der Demenzpatienten durch das stetige Vergessen umgeben sind. Das nimmt ihnen Ängste, und sie fühlen sich wohl und sicher.

Weiter geht es schwungvoll mit Bella bella Marie und Oh Donna Clara. Füße bewegen sich im Takt, Augen strahlen und Gesichter leuchten. Talentiert und charmant unterhält der Sänger Oliver Perau seine Gäste, nimmt die kleinste Regung wahr und geht einfühlsam auf die Menschen ein. Sie scheinen den Entertainer zu mögen, und manch eine Zuschauerin flirtet sogar ein bisschen mit ihm. Eine Bewohnerin im Rollstuhl ergreift jedes Mal begeistert seine Hand, wenn er in ihre Nähe kommt. Sie lacht ihn an und es scheint, als erinnere der Sänger sie an jemanden, den sie früher einmal kannte.

Zu Schön war die Zeit von Freddy Quinn wagt die Bewohnerin Christa Kohrs ein Tänzchen mit dem Gitarristen Jens Nickel. Eine andere Zuschauerin wird unruhig und erhebt sich aufgeregt von ihrem Stuhl. Auch sie möchte anscheinend unbedingt tanzen. Aufmerksam fordert Perau die Seniorin auf und führt sie auf die Tanzfläche. Den Gesang übernimmt versiert der Pianist Andreas Meyer, taktsicher begleitet von der sympathischen jungen Schlagzeugerin Celina Meier, die heute Karsten Kniep vertritt. Glücklich lächelnd und plaudernd tanzen die beiden Frauen in den Armen der Musiker bis das Lied verklungen ist.

Als dann etwas später Mimi nicht ohne Krimi ins Bett will und rückssichtslos die ganze Nacht das Licht brennen lässt, singt Oliver Perau neben der bestens gelaunten Christa Kohrs sehnsüchtig „… ich möchte schlafen ….“ „Hoffentlich schnarchste nicht,“ wirft Frau Kohrs scherzend ein. Viele Lachen, die Stimmung ist super, und auch das Pflegepersonal freut sich sichtlich über die erwachten Lebensgeister der Bewohnerinnen und Bewohner.

Graziano Zampolin und Rainer Schumann (Fury in the Slaughterhouse) hatten im Jahr 2013 die Idee, in Senioreneinrichtungen zu gehen und mit den Bewohnerinnen und Bewohnern zu musizieren. Sie gründeten gemeinsam mit Oliver Perau das Projekt Klang und Leben. Mit ihren Konzerten wollen sie mehr als einmalig unterhalten. Sie wollen zeigen, wie gut sich verbliebenes Denkvermögen bei Menschen mit Demenz durch Musik stimulieren lässt. Und sie wollen Senioreneinrichtungen dazu anregen, Musik mehr und mehr in den Pflegealltag zu integrieren.

50 kostenlose Konzerte gibt das Team von Klang und Leben pro Jahr. Die Liste der Bewerberinnen und Bewerber ist lang. „Wir sind sehr stolz und dankbar, dass wir diese sympathischen und professionellen Musiker heute bei uns zu Gast hatten,“ sagt Frau Giersberg, die Leiterin der Seniorenwohnanlage Lambertinum. „Es war eine wirklich emotionale und inspirierende Veranstaltung.“

Oliver Perau: Gesang (Juliano Rossi, Terry Hoax, Grand Hill)
Andreas Meyer: Piano
Celina Meier: Schlagzeug (Die toten Hosen)
Jens Eckhoff: Gitarre (Radio Doria)